Ford Bronco Raptor im Test: Spektakulärer Offroad-Spaß oder teurer Alltags-Wahnsinn?
Inhalt
Auf einen Blick
- Mit 420 PS, rund 600 Nm, 37-Zoll-Reifen, hoher Bodenfreiheit und speziellen Offroad-Modi ist der Bronco Raptor für anspruchsvolles Gelände gebaut.
- Auf der Straße überzeugt er mit Komfort und guter Übersicht, seine Breite von rund 2,18 Metern sowie Reifen- und Windgeräusche erschweren aber Stadtfahrten und Parkhäuser.
- Realistisch sind etwa 15 bis 16 Liter Verbrauch auf 100 Kilometer; dazu kommen hohe Kosten für XXL-Reifen und mögliche Wartezeiten bei speziellen Raptor-Teilen.
Was macht den Ford Bronco Raptor so besonders?
Schon der normale Ford Bronco fällt ordentlich auf. Doch die Raptor-Version lässt selbst ihn fast zahm aussehen. Dafür sorgen vor allem die Proportionen: riesige Räder, weit ausgestellte Kotflügel und eine Karosserie, die gut 33 Zentimeter über dem Boden thront.
Unter der Haube wartet trotzdem kein V8, wie die brachiale Optik vielleicht vermuten lässt. Ford setzt stattdessen auf einen 3,0-Liter-V6 mit zwei Turboladern. Rund 420 PS und knapp 600 Newtonmeter treffen auf eine Zehngang-Automatik. Mindestens genauso wichtig sind die Veränderungen rundherum. Der Raptor steht deutlich breiter als andere Bronco-Versionen. Dazu spendiert Ford ihm ein speziell entwickeltes Fahrwerk mit enormen Reserven.
Schon nach wenigen Kilometern zeigt sich, wofür Ford diesen Aufwand betreibt. Je schlechter der Untergrund wird, desto mehr kommt der Raptor in seinem Element. Wo normale Straßenautos längst auf Schrittgeschwindigkeit abbremsen, legt der Raptor erst richtig los.
Was kann der Ford Bronco Raptor im Gelände wirklich?
Bodenwellen, tiefe Löcher und ausgewaschene Stellen schluckt der Raptor erstaunlich gelassen. Selbst bei höherem Tempo wirkt das Fahrwerk kaum gefordert.
Noch mehr Spaß macht im Praxistest das Fahren im Sand. Dafür besitzt der Raptor den sogenannten Baja-Modus. Der Name stammt von den berühmten Wüstenrennen auf der mexikanischen Halbinsel Baja California. Der Modus macht seinem Namen alle Ehre: Das Auto reagiert schärfer aufs Gas, die Automatik hält die Gänge länger und die Elektronik erlaubt mehr Schlupf an den Rädern. Statt den Bronco ständig einzubremsen, lässt sie ihn förmlich mit dem Sand spielen.
Auf felsigem Untergrund lässt sich der Raptor sehr kontrolliert bewegen. Seine großen Räder rollen leicht über Hindernisse, die Bodenfreiheit schafft den nötigen Platz darunter. Auf starken Unebenheiten federn die Räder weit ein und aus, damit sie länger Kontakt zum Boden halten.
Für schwierige Passagen bringt der Raptor weitere technische Helfer mit. Verlieren einzelne Räder den Halt, sorgen Differenzialsperren weiter für Vortrieb. Wird es besonders knifflig, übernimmt auf Wunsch „Trail Control“. Das System funktioniert vereinfacht wie ein Tempomat fürs Gelände: Es regelt Gas und Bremse, während sich der Fahrer ganz auf die passende Linie konzentrieren kann.
Die größte Stärke des Bronco Raptor ist der Wechsel zwischen völlig unterschiedlichen Welten. Eben noch vorsichtig über Felsen, kurz darauf mit ordentlich Tempo über Schotter oder Sand. Ganz ohne Kompromisse gelingt das allerdings nicht. Vor allem seine enorme Breite kann im Gelände zum Problem werden. Zwischen Bäumen oder Felsen ist ein schmalerer Geländewagen oft die praktischere Wahl.
Wie alltagstauglich ist der Ford Bronco Raptor auf der Straße?
Je gröber die Unebenheiten, desto mehr überzeugt das Fahrwerk des Bronco Raptor. Schlaglöcher und Bodenwellen steckt es erstaunlich gelassen weg. Anders sieht es im langsamen Stadtverkehr aus. Kurze Unebenheiten und Querfugen geben die schweren 37-Zoll-Reifen spürbar weiter. Mit zunehmendem Tempo arbeitet das Fahrwerk dagegen geschmeidiger und fängt größere Unebenheiten souverän ab.
Auf der Autobahn fällt vor allem die Geräuschkulisse ins Ohr. Die Reifen sind auf schlechtem Asphalt deutlich zu hören, bei höherem Tempo kommen Windgeräusche am herausnehmbaren Hardtop hinzu. Beim Motorsound haben Fahrer dagegen selbst Einfluss auf die Lautstärke: In sportlicheren Einstellungen meldet sich der V6 beim Beschleunigen kräftig zu Wort, im Quiet-Modus bleibt die Klappenabgasanlage deutlich zurückhaltender – praktisch für den morgendlichen Start im Wohngebiet.
Die größere Herausforderung in der Stadt ist ohnehin die Breite des Raptor. Mit seinen ausgestellten Kotflügeln misst der Raptor rund 2,18 Meter ohne Außenspiegel. Die Karosserie selbst ist allerdings schmaler. Deshalb lassen sich die Außenkanten vom Fahrersitz anfangs schwer einschätzen.
Beim Rangieren hilft die 360-Grad-Kamera jedoch enorm. Sie zeigt im Test ziemlich genau, wie viel Platz zu Mauern, Bordsteinen oder anderen Autos bleibt. Auch der Wendekreis überrascht: Mit rund 12,4 Metern fällt er angesichts der Fahrzeuggröße moderat aus. Die eigentliche Herausforderung sind deshalb weniger die Manöver selbst als die Dimensionen des Raptor. Eine passende Parklücke zu finden, kann bereits schwierig werden. In Parkhäusern kommen enge Rampen und die stattliche Fahrzeughöhe hinzu.
Wie teuer ist der Spaß im Alltag?
Sparsamkeit gehört sicherlich nicht zu den Stärken des Bronco Raptor. Im gemischten Betrieb sind in der Praxis etwa 15 bis 16 Liter auf 100 Kilometer realistisch. Auf einer ruhigen Autobahnfahrt können es auch rund 14 Liter sein. Wer häufig in der Stadt fährt oder die Leistung im Gelände komplett ausnutzt, muss jedoch mit deutlich mehr Verbrauch rechnen.
Für die volle Leistung ist der V6 laut Ford auf hochoktanigen Kraftstoff ausgelegt. In Deutschland bedeutet das meist Super Plus, je nach Fahrzeugspezifikation ist aber auch Super möglich.
Auch bei den Reifen gehen die Extreme weiter: Mit 37 Zoll fährt der Bronco Raptor in einer ganz anderen Dimension als etwa ein Ford Ranger, der je nach Version meist mit deutlich kleineren 17- bis 20-Zoll-Rädern unterwegs ist. Doch die XXL-Reifen haben ihren Preis: Hochwertige Reifen kosten in Deutschland mehrere Hundert Euro pro Stück.
Beim normalen Service wirkt der Exot dagegen erstaunlich gewöhnlich: Ölwechsel, Filter und andere Wartungsarbeiten bringen keine teuren Überraschungen. Anders sieht es aus, wenn tatsächlich etwas an der speziellen Raptor-Technik kaputtgehen sollte. Fahrwerks- oder US-spezifische Teile sind in Deutschland nicht überall sofort verfügbar. Vor dem Kauf sollte man deshalb prüfen, welche Werkstatt in der Nähe bereits Erfahrung mit dem Raptor hat. Ähnlich sieht es bei der Versicherung aus. Eine typische Raptor-Prämie gibt es in Deutschland kaum, dafür ist das Modell als US-Import zu selten. Interessenten sollten vor dem Kauf ein konkretes Angebot einer Versicherung einholen.
Für wen lohnt sich der Ford Bronco Raptor?
Der Ford Bronco Raptor ist erstaunlich vielseitig. Trotz seiner extremen Geländetechnik ist er weit mehr als ein Wochenendspielzeug. Wer mit seinen Dimensionen und dem hohen Verbrauch leben kann, kann ihn auch im Alltag fahren.
Seinen eigentlichen Reiz entfaltet der Raptor aber abseits des Asphalts. Auf schnellen Schotterpisten, im Sand oder in schwierigem Gelände spielt er seine ganze Stärke aus. Genau für diese Fähigkeiten zahlt man am Ende auch den hohen Preis. Für rund 85.000 bis 100.000 Euro bekommt der Käufer keinen klassischen Luxus-SUV, sondern ein kompromissloses Geländefahrzeug mit entsprechend hohem Verbrauch. Gerade diese Maßlosigkeit macht jedoch einen großen Teil seiner Faszination aus.