Ford F-150 in Deutschland fahren: Parken, Tanken, Versichern – ehrliche Erfahrungen mit dem US-Pick-up
Inhalt
Auf einen Blick
- Mit knapp 5,90 Metern Länge und bis zu 2,46 Metern Breite inklusive Spiegeln fordert der F-150 beim Parken, in Parkhäusern und Autobahnbaustellen besondere Aufmerksamkeit.
- Der 5,0-Liter-V8 fährt mit Super, verbraucht je nach Strecke aber etwa 11 bis über 20 Liter pro 100 Kilometer; bei Anhängerbetrieb steigt der Verbrauch weiter.
- Besonders sinnvoll ist der F-150 für Selbstständige und Anhängerfahrer: Er darf je nach Zulassung bis zu 3.500 Kilogramm ziehen und bietet als Crew Cab viel Platz für Familie und Gepäck.
Wie groß ist der Ford F-150 wirklich?
Schon neben einem Ford Ranger oder VW Amarok zeigt sich, in welcher Liga der F-150 eigentlich spielt. Während die beiden Pick-ups je nach Ausführung rund 5,35 bis 5,39 Meter messen, kommt der F-150 auf knapp 5,90 Meter. Mit rund 2,03 Metern ohne Außenspiegel ist er zudem gut zehn Zentimeter breiter. Klappt man die Spiegel aus, sind es sogar rund 2,46 Meter.
Noch greifbarer werden diese Zahlen im Vergleich mit anderen Fahrzeugen. Den SUV BMW X5 überragt der F-150 in der Länge um fast einen Meter. Mit knapp 5,90 Metern bewegt er sich bereits auf dem Niveau eines Mercedes Sprinter, bleibt mit rund 1,96 Metern aber deutlich flacher als ein klassischer Transporter.
Wo stößt der Ford F-150 in Deutschland an seine Grenzen?
Auf Landstraßen und Autobahnen fährt sich der Ford F-150 deutlich entspannter, als man zunächst erwarten würde. Die hohe Sitzposition sorgt im Praxistest für eine gute Übersicht. Einmal in Fahrt, wirkt der große Pick-up erstaunlich gelassen.
Wie groß der F-150 wirklich ist, merkt man jedoch spätestens in der ersten Autobahnbaustelle. Die linke Spur ist dort häufig nur für Fahrzeuge bis 2,10 Meter Breite einschließlich Außenspiegel freigegeben. Der F-150 überschreitet diese Grenze und muss rechts bleiben. Dort reicht der Platz zwar meist aus, doch Betonleitwände und Lkw rücken gefühlt ziemlich nah heran.
Ähnlich sieht es in kleinen Innenstädten aus. Enge Kreisverkehre und parkende Autos auf beiden Straßenseiten verlangen deutlich mehr Aufmerksamkeit als im klassischen Pkw. Im Test gewöhnen wir uns jedoch erstaunlich schnell an die Abmessungen. Nach kurzer Zeit lässt sich der F-150 deutlich leichter einschätzen, als seine Größe zunächst vermuten lässt.
Am deutlichsten spüren wir die Größe beim Parken. Nicht jede Parklücke bietet genug Platz für einen knapp sechs Meter langen Pick-up. Noch schwieriger wird es in älteren Parkhäusern mit engen Rampen, schmalen Fahrgassen und kurzen Stellplätzen. Die verschiedenen Einparkhilfen erleichtern das Rangieren zwar spürbar, ändern an den gewaltigen Abmessungen des F-150 aber nichts.
Tanken, Versicherung und Werkstatt – womit müssen Besitzer rechnen?
Beim Unterhalt zeigt der F-150 einige Besonderheiten, die Käufer kennen sollten. Klassische Arbeiten wie Inspektionen oder Ölwechsel sind auch beim F-150 kein großes Thema. Schwieriger wird es bei Diagnosen, Software oder größeren Reparaturen. Dafür sollte die Werkstatt entsprechende Erfahrung mit US-Fahrzeugen mitbringen. Auch die Teileversorgung funktioniert inzwischen gut. Gängige Verschleißteile lassen sich meist kurzfristig beschaffen. Bei speziellen Original- oder Karosserieteilen kann es dagegen länger dauern.
Beim Kraftstoff ist der 5,0-Liter-V8 weniger anspruchsvoll, als man vielleicht erwarten würde. Trotz seiner Entwicklung für den US-Markt kommt er mit Super und 95 Oktan zurecht. Ford empfiehlt zwar Super Plus mit 98 Oktan, besonders bei hoher Last oder voller Leistung. Im normalen Alltag reicht Super jedoch aus.
Sparsam ist der V8-Motor allerdings nicht. Als kombinierter Verbrauch werden vom Hersteller rund 14,4 Liter auf 100 Kilometer angegeben. Praxistests zeigen jedoch eine deutlich große Spannweite: Auf ruhigen Überland- und Autobahnfahrten sind etwa 11 bis 13 Liter möglich, im dichten Stadtverkehr können es dagegen 20 Liter und mehr werden.
Mit einem schweren Anhänger steigt der Verbrauch noch einmal deutlich. Besonders bei Autobahntempo machen sich das zusätzliche Gewicht und der höhere Luftwiderstand bemerkbar. Große Wohn-, Pferde- oder Kastenanhänger verlangen dem Motor entsprechend mehr ab.
Etwas genauer sollte man dagegen bei der Versicherung hinschauen. Beim Ford F-150 hängt die Versicherung stark von der konkreten Zulassung ab. US-Importe besitzen häufig keine reguläre deutsche Typschlüsselnummer, weshalb sie sich in Vergleichsportalen nicht immer eindeutig auswählen lassen. Ist der F-150 als Lkw eingestuft, kann außerdem ein Nutzfahrzeugtarif gelten. Berechnung und Schadenfreiheitsstaffel unterscheiden sich dann von klassischen Pkw-Tarifen.
In der Praxis können die Angebote deshalb deutlich auseinanderliegen. Vor dem Kauf lohnt sich eine direkte Anfrage bei mehreren Versicherern. Dafür braucht es den Fahrzeugschein oder die konkreten Fahrzeugdaten. Auch die Übernahme des bisherigen Schadenfreiheitsrabatts sollte man dabei klären.
Was überrascht Besitzer im Alltag am meisten?
Im Praxistest überrascht der F-150 vor allem mit seinem Komfort. Hinter dem Lenkrad fühlt er sich deutlich weniger nach Arbeitstier an, als sein überdimensionierter Auftritt vermuten lässt. Bequeme Sitze, die hohe Sitzposition und die gute Geräuschdämmung machen besonders längere Strecken angenehm.
Unbemerkt bleibt der F-150 dabei jedoch selten. An Tankstellen oder auf Parkplätzen zieht das Auto alle Blicke auf sich: Immer wieder bleiben Menschen stehen, schauen genauer hin oder sprechen uns auf den Pick-up an.
Ebenfalls auf Parkplätzen zeigt sich eine weitere Besonderheit: die langen Türen. Steht das nächste Auto zu nah, lassen sie sich nicht weit genug öffnen. Bequemes Ein- und Aussteigen wird dann schwieriger als erwartet.
Für wen lohnt sich der Ford F-150 in Deutschland?
Der Ford F-150 richtet sich gewiss nicht an jeden Autofahrer. Besonders interessant ist der Pick-up für Unternehmer und Selbstständige mit häufigem Anhängerbetrieb. Je nach Zulassung darf der F-150 dabei bis zu 3.500 Kilogramm ziehen. Seine Qualitäten beschränken sich aber längst nicht nur auf die Arbeit. Die Crew-Cab-Version bietet viel Platz für Familie und Gepäck und eignet sich somit auch für längere Reisen.
Ganz rational lässt sich ein F-150 aber nur schwer erklären. Seine Größe ist im Alltag nicht immer praktisch, gehört aber genauso zum Erlebnis wie die hohe Sitzposition und das souveräne Fahrgefühl. Dazu kommt je nach Motorisierung der charakteristische V8-Sound. Für deutsche Verhältnisse ist er eigentlich von allem etwas zu viel. Aber liegt nicht genau darin sein Reiz?